Design

Agnieszka Jacobson- Cielecka

Designkritikerin und Kuratorin, Mitbegründerin und langjährige Redakteurin der polnischen Ausgabe von Elle Decor, Kuratorin des jährlich im Oktober stattfindenden internationalen Festivals Łódź Design.


Wodurch unterscheiden sich junge polnische Designer von anderen? Sie greifen gern auf schlichte, billige, natürliche und leicht verfügbare Materialien zurück: Holz, Span- und Faserplatten, Filz, Halbfabrikate oder Recycling-Materialien. Oft stellen sie die von ihnen entworfenen Produkte selbst oder mit Hilfe lokaler Handwerksbetriebe her, in sehr begrenzter Stückzahl. Viele Modelle zeichnen sich durch ein unterschwelliges Gefühl für Humor und Ironie aus, Konventionen werden gemieden.

Wenn Sie sich zum Lesen eines Buches niedersetzen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie dies auf einem polnischen Sofa tun. Polen ist der viertgrößte Möbelhersteller, vor Polen liegen nur China, die USA und Italien.

Oft spürt man die Inspiration durch die polnische Tradition, Kultur und Werkstofftradition. In Zeiten der Globalisierung und der leichten Verfügbarkeit von Standardtechnologien werden Einzigartigkeit und Herkunft zu unschätzbaren Werten. Durch die Besinnung auf die Wurzeln nutzen die polnischen Designer die lokalen Ressourcen. Sie greifen überlieferte Ornamente, Farbschemata und Dekorationsmotive auf, überarbeiten alte Muster und interpretieren diese neu.

Die anlässlich der polnischen EU-Ratspräsidentschaft produzierten Werbegeschenke knüpfen u.a. an polnische Volkstrachten und - –tänze an. Diese Spielkreisel wurden von Anna Łoskiewicz und Zofia Strumiłło vom Beza Projekt entworfen.

Junge polnische Designer verstehen sich bestens auf das Verknüpfen von natürlichen Ressourcen mit hochentwickelter Technologie. Ihre Entwürfe zeigen den Appetit auf Neues, ohne das Alte zu verwerfen. Designer wie Azé greifen auf lokal ansässige Handwerker zurück, schaffen Arbeitsplätze und wecken das Bedürfnis, zu den ursprünglichen Quellen zurückzukehren.

Diese mit Luft gefüllten PVC-Lampen aus der Kollektion Puff Buff Design haben ein weltweites Echo gefunden.

Das spektakulärste Beispiel  für die innovative Verwebung von Volkskunst-Inspiration mit High-Tech-Lösungen ist der polnische EXPO-Pavillon in Schanghai 2010 (entworfen von WWA Architects – Natalia Paszkowska und Marcin Mostafa). Grundanliegen des Pavillonprojektes  war die visuelle Heraushebung des Landes. Daher die volkstümlichen Scherenschnittmotive, aufgebracht auf eine moderne Form. Grundmaterial für viele Ausbauelemente des Pavillons war Sperrholz. Für die äußeren Verkleidungselemente wurden Glas und Polycarbonate verwendet, für die Isolierung der Module kam ein Laminat aus wasser- und UV-abweisenden Materialien zum Einsatz. Allen am polnischen Alltagsleben Interessierten seinen folgende Veranstaltungen empfohlen: das jedes Jahr im April/Mai stattfindende Polnische Reklamefestival (Festiwal Reklamy) in Warschau, die AD Days in Łódź (Ende November) und der im Mai beginnendeMonat der Fotografie (Miesiąc Fotografii) in Krakau.

Tomek Rygalik

Industriedesigner, lebt und arbeitet in Warschau. Lehrt am Royal London College of Art. Studierte Architektur und Design in Łódź, New York und London. Arbeitet für italienische, finnische und polnische Firmen. Hat wesentlichen Anteil an der Entstehung einer besonderen Möbelkollektion anlässlich der polnischen EU-Ratspräsidentschaft im Jahre 2011 (gegenüberliegende Seite, links)


Was ist das Beste in Polen?
Wälder und Holz

Polen ist ein europa- und weltweit bekannter Möbelhersteller. Wir produzieren vor allem Holzmöbel, die – so meine ich – unsere materielle Kultur prägen und Teil unserer Identität sind. Im Gespräch mit vielen Menschen aus der ganzen Welt konnte ich immer wieder erfahren, dass Holz sehr stark mit Polen assoziiert wird. Für uns Polen ist Holz ein grundlegender Werkstoff. Natürlich stammt das Holz aus den Wäldern, und so wie Polen als drittgrößter europäischer und viertgrößter Möbelproduzent weltweit bekannt ist, sind auch die polnischen Wälder und Landschaften ein wertvolles Markenzeichen des Landes.

Stühle entwickelt durch Tomek Rygalik.

Ob in den masurischen Seen oder in der Tatra – In Polen gibt es eine Fülle wunderschöner Wälder, sowohl Laub- als auch Nadelwälder. Ich bin oft in Polen unterwegs, fahre u.a. ins Bieszczady-Gebirge im Süden Polens oder nach Kociewie – eine Region unweit der Tucheler Heide (Bory Tucholskie), dem größten Kiefernwaldkomplex in Polen. Immer bin ich von Wäldern umgeben. Der polnische Wald ist etwas Wunderschönes, etwas, was wir auch Besuchern aus anderen Ländern empfehlen können.

PROD