FILM

Filmvorführung unter freiem Himmel während des Festivals Era Nowe Horyzonty in Wrocław.
Die “Schule des polnischen Films” ist ein etwas nostalgischer Ausdruck, der sich auf eine Zeit bezieht, in der das polnische Kino seine größte nationale und internationale Blütezeit erlebte.
"Eines ist sicher, nie zuvor und nie wieder wurden so viele Talente entdeckt, wurden so viele phantastische Filme gedreht, erreichte das polnische Kino einen so hohen Stellenwert in der Kultur und wurde von der Öffentlich so enthusiatisch gefeiert”, schrieb die Filmkritikerin Alicja Helman über den Zeitraum 1956-1961.
Zu diesem Phänomen kam es vor allem dank der Absolventen der Lodzer Filmhochschule, die das 1956 angebrochene politische Tauwetter nutzten, um über Dinge zu sprechen, die vorher in dem kommunistischen Land tabuisiert waren. Die noch nicht so weit zurückliegenden Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs und des Stalinismus, und zwar ehrlich und ohne den Rückgriff auf kommunistische oder nationalistisch-konservative Stereotype dargestellt, wurden zu Themen in den Debütfilmen von Andrzej Wajda, Stanisław Różewicz oder Andrzej Munk, Regisseuren somit, die heute zu den Klassikern gehören. "Der Kanal" von Wajda, für den der Regisseur den Spezialpreis der Jury in Cannes 1957 erhielt, gilt als Bezugpunkt für die Schule des polnischen Films. Der Film ist ein bitteres Porträt junger Leute, die im Warschauer Aufstand alles verloren haben und über das Warschauer Kanalsystem versuchen, aus der belagerten Stadt zu entkommen. Andrzej Munk erzählt in seinem ironischen Film "Das schielende Glück" von einem etwas an Zelig erinnernden Helden, der in der bewegten Geschichte Polens mit ganz verschiedenen Problemen konfrontiert wird.
Die Schule des polnischen Films griff oft auch Klassiker der Literatur zurück, verfilmte bekannte polnische Romane und Novellen und ließ führende polnische Prosaisten und Dramatiker Filmdrehbücher schreiben. Die oft noch schwarz-weiße Kinematographie war eine weitere Stärke des polnischen Films jener Zeit, ermöglicht durch hochtalentierte Kameraleute und auch das langsame Tempo der Filmproduktion. Das Jahr 1956 war nur ein Anfang. Immer mehr Absolventen der Lodzer Filmhochschule setzten dieses Werk fort: Roman Polański, der in Polen nur einen Film drehte, und zwar "Das Messer im Wasser", bevor er in England "Ekel" und "Wenn Katelbach kommt …" produzierte, und auch Wojciech Jerzy Has, der die Filmfans weltweit noch immer mit seinen Kultfilmen "Die Handschrift von Saragoss" oder "Das Sanatorium zur Toedeanzeige" in den Bann zieht. Wenn Sie Lust auf eine Zeitreise haben, machen Sie doch einen Abstecher in das Lodzer Muzeum Kinematografii, in dem Plakate, Kostüme, Szenographien, Fotos und andere Erinnerungsstücke nicht nur aus den fünfziger und sechziger Jahren, sondern aus der gesamten einhundertjährigen Geschichte des polnischen Kinos gesammelt werden. Während eines Besuchs in Warschau achten Sie auf "The Best of Polish Movies" in der Nationalbibliothek, wo regelmäßig die besten polnischen Filme mit englischen oder spanischen Untertiteln gezeigt werden.

Kuba Mikurda
Kritiker, Übersetzer, Redakteur, Mitarbeiter der Abteilung für Gegenwartskultur an der Jagiellonen-Universität Krakau
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Era Nowe Horyzonty Wrocław, Juli
Das absolute Highlight unter den polnischen Filmfestivals. Seit mehr als zehn Jahren ist das Festival aktiv daran beteiligt, die ästhetischen Horizonte des polnischen Filmpublikums beständig zu erweitern und wird dadurch seinem Namen (‘Ära Neue Horizinte’) gerecht. Das Festival geht auch über die Grenzen des Kinos und der visuellen Künste hinaus, es präsentiert Entdeckungen der wichtigsten internationalen Festivals, organisiert thematische Veranstaltungen zu ausgewählten Autoren und nationalen Produktionen, denen anderweitig nicht die nötige Aufmerksamkeit zuteilwürde. Aushängeschild des Festivals ist ein Wettbewerb zu konkreten und spezifischen Spielarten der Ästhetik. Das Festival setzt auf ein experimentelles, kontemplatives Kino, auf nicht streng an Handlungen orientierte Drehbücher, auf ein Kino, das neue Sichtweisen provoziert und den Besucher dazu bringt, alte Gewohnheiten abzustreifen.Auch das Rahmenprogramm |
des Festivals ist wichtig – Begleitveranstaltungen wie Ausstellungen, Workshops, Debatten, zahlreiche Publikationen (im Rahmen des Festivals sind bereits 20 Bücher erschienen) sowie die Veranstaltungsreihe Neue Horizonte der Filmischen Bildung, die sich an das junge Publikum richtet und in Kooperation mit Kinos und Schulen in ganz Polen realisiert wird. Während der zehn Festivaltage wird Wrocław zu einer wahren Filmstadt – allenthalben sieht man Filmbegeisterte, die in angeregte Debatten zum Thema Film vertieft sind, zuweilen in komischsten Kontexten und Situationen. Ausländische Festivalgäste wissen zu schätzen, dass die große Mehrheit der gezeigten Filme mit englischen Untertiteln versehen ist. Watch Docs.Menschenrechte im Film Warschau, Dezember Die Veranstalter des Festivals haben folgende Devise: Selbst wenn die Filme die Welt nicht ändern, so können doch die |
Zuschauer, die diese Filme gesehen haben, wirklich sehr viel ändern. Animator Poznań, Juli All jene, die Lust auf eine größere Dosis Kino haben, sollten sich dieses Festival im Kalender vermerken, denn das jährlich stattfindende Animator ist das größte Trickfilmfestival in Polen. Prominente Gäste aus aller Welt nehmen daran teil. American Film Festival Wrocław, November Dieses Festival zeigt, dass der Kontinent des amerikanischen Kinos – so bekannt und anerkannt er erscheinen mag – für uns immer noch eine Terra incognita darstellt. Sommerfilmakademie Zwierzyniec, August Allen Freunden des Filmtourismus während der Ferienzeit sei die Sommerfilmakademie empfohlen – mit einem anspruchsvollen Programm in malerischer Landschaft. |
BÜHNENKUNST

Warschau Zentralbahnhof
In Polen gibt es über 140 öffentliche und private Theater. Die polnische Theaterschule, tief verwurzelt in der polnischen Geschichte und Tradition, hat durch ihren mutigen und kritischen Umgang mit der Realität zum Entstehen einer ungemein reichen Theaterszene beigetragen.
Jerzy Grotowski (1933-1999), einer der wichtigsten Vertreter dieser Schule, hat als einer der größten Reformer in der Theatergeschichte Weltruhm erlangt. Grotowski gestaltete das Theater in ein Forschungslabor um. Er ging davon aus, dass Schauspieler und Zuschauer die wichtigsten Faktoren eines Stückes sind. Grotowski wirkte nicht nur in Polen, sondern leitete auch internationale Workshops. Gegen Ende seines Lebens ließ er sich im italienischen Pontedera nieder, wo er 1986 das Workcenter of Jerzy Grotowski and Thomas Richards ins Leben rief. In der Stille und Abgeschiedenheit der Toskana wählte Grotowski sorgfältig Praktikanten aus der ganzen Welt aus und erforschte die "rituellen Künste". Die künstlerischen Erben Grotowskis setzen bis heute seine Untersuchungen zur künstlerischen Exploration fort.
Ein weiterer international berühmter Künstler war Tadeusz Kantor (1915-1990), Schöpfer des Null-Theaters (auch bekannt als "Handlung ohne Aktion"), des Theaters Informel (schicksalhafte Ereignisse und Bewegungen) und des Theaters des Todes. Kantor behandelte Requisiten und Schauspieler gleichwertig und inszenierte seine Arbeiten als Happenings.
Es folgten dann neue Künstlergenerationen, die in den Theatern Europas ebenfalls stark beachtet wurden. Zu dieser Gruppe gehören Krzysztof Warlikowski, Grzegorz Jarzyn, Krystian Lupa und Jan Klata. Warlikowski ist Theater- und Opernregisseur, dessen Hauptinteressengebiete das antike Theater, das Schaffen William Shakespeares (11 Stücke) und das zeitgenössische Drama sind. Die Produktionen Warlikowskis berühren auch in subtiler Weise aktuelle gesellschaftliche Probleme. Er ist ein Schüler von Krystian Lupa, in ganz Europa bekannt durch seine Thematisierung der menschlichen Verfassung in einer eurozentristisch-christlichen Welt. Jan Klata nutzt die klassische polnische Literatur zu Konfrontationen mit gesellschaftlichen Erscheinungen der Gegenwart.

Maciej Nowak
Direktor des Radziszewski-Theaterinstituts in Warschau, empfiehlt die wichtigsten polnischen Theater- und Tanzfestivals
In Polen gibt es viele Theaterfestivals, die sich bei Kennern der Theaterszene in ganz Europa hoher Wertschätzung erfreuen. Wichtigstes Ziel dieser Festivals ist es, einen Überblick über die polnische Theaterproduktion zu vermitteln, aber auch allgemeine Entwicklungstendenzen aufzuzeigen.

Warschauer Theatertreffen
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Warschauer Theatertreffen / Warszawskie Spotkania Teatralne Warschau, April Das wichtigste Festval. Nach achtjähriger Pause im Jahre 2008 wiederbelebt. Ist zu einem vom Publikum hochgeschätzten, großen Fest der polnischen Kultur geworden (ca. 8.000 Besucher). R@port Gdynia Gdynia, Mai Das Festivalprogramm wurzelt in der Erkenntnisarbeit zum Erfassen all jener Elemente des gesellschaftlichen Diskurses, die vom Theater angeregt werden können.
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Warszawa Centralna (Warschau Zentralbahnhof) Warschau, Oktober Veranstaltet vom Teatr Dramatyczny. Ziel: Umgestaltung Polens in einen phantasmagorischen Raum und einen Ort innovativer Projekte verschiedener Kulturen und Völker. Ciało/Umysł (Körper/Geist) Festival des modernen Tanzes
Warschau, Oktober/November |
Dialog Wrocław, Oktober Ein internationales Festival in Wrocław, auf dem Künstler aus der ganzen Welt ihre wichtigsten Stücke vorstellen. Prapremiery (Uraufführungen) Bydgoszcz, Oktober Ein Wettbewerb von Premierenaufführungen aus ganz Polen, die in der jeweils vorangegangenen Saison stattgefunden haben. |






