BILDUNG
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Die Handelshochschule (SGH) ist eine der renommiertesten Hochschulen des Landes |
Die wichtigsten Zentren des höheren Bildungswesens befinden sich in Warschau, Krakau, Wrocław, Poznań, Łódź, und in der Dreistadt. Polen hat fast 2 Mio. Studenten (darunter 15 800 Ausländer) in 458 Hochschulen (132 staatlichen und 326 privaten).
Die beliebtesten Studienrichtungen sind: Wirtschaftswissenschaften, Handel und öffentliche Verwaltung (23% der Studenten), Sozialwissenschaften (13,9%), Pädagogik (12%), Geisteswissenschaften (8,8%), Ingenieurswesen (6,8%), Medizin (5,8%), Informatik (4,9%), Öffentliche Dienstleistungen (3,7%), Jura (3,1%), Umweltschutz (1,4%) und andere (16,4%).
In Warschau befinden sich 66 Hochschulen, die von 300 000 Studenten besucht werden, das macht die Stadt zu Polens entschieden größtem Hochschulbildungszentrum. Die Hauptstadt ist Standort für so bedeutende Institutionen wie die Universität Warschau, die Handelshochschule, die Akademie der Bildenden Künste, die Warschauer Naturwissenschaftliche Universität, die Frédéric-Chopin-Musikuniversität und die Technische Universität Warschau.
Das Programm MOST ermöglicht den Studenten die Teilnahme an mehreren parallelen Studienrichtungen an verschiedenen Hochschulen zur selben Zeit und ist bei der polnischen Jugend überaus beliebt. Das Erasmus-Programm Erasmus wiederum zieht immer mehr ausländische Studenten nach Polen. Viele von ihnen beginnen ihren Aufenthalt im Land mit dem Erlernen der polnischen Sprache an der Schule für Polnische Sprache für Ausländer der Universität Łódź (www.sjpdc.uni.lodz.pl).
WISSENSCHAFT
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Graphen ist so dünn, dass drei Millionen Graphenlagen nötig wären, um eine 1 mm dicke Schicht zu erhalten. |
Es ist bereits ein Jahrhundert vergangen, seit der letzte Nobelpreis für Wissenschaften nach Polen ging (Marie Skłodowska Curie). Vom innovativen Geist beseelt sind jedoch auch die polnischen Wissenschaftler, die an Patenten für eine globale, industrielle Produktion von Graphen arbeiten, einem Wunderwerkstoff, der innerhalb des nächsten Jahrzehnts eine Revolution in der Elektronik bedeuten könnte.
Polen könnte das erste Land weltweit sein, das in der Lage wäre, Graphen in einer industriellen Größenordnung herzustellen. Graphen bedeutet kleinere, billigere und schnellere Computer. Mit einem Gramm Graphen können mehrere Fußballspielfelder bedeckt werden. Aber das ist noch nicht alles. Dank seiner im Vergleich zu Kupfer besseren Leitfähigkeit ist Graphen hundertmal fester als Stahl. Das Technologieinstitut für Elektronische Werkstoffe (ITME) arbeitet gegenwärtig daran, ein Patent für die Massenproduktion von Graphen zu erhalten. Die Wissenschaftler vom ITME haben eine Technologie entwickelt, mit der die Herstellung von Graphen aus dem Labor in die Industrie überführt werden kann, und zwar mit Hilfe von Technik, wie sie bereits seit Jahren in der Produktion von Halbleitern zum Einsatz kommt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Grenze für die Miniaturisierung von Silizium-Chips im Laufe der nächsten zehn Jahre erreicht sein wird und dass dann Graphen an deren Stelle treten wird. Wahrscheinlich werden EU-Mittel für die Entwicklung der Graphen-Forschung bereitgestellt – im Rahmen eines 2012 startenden, zehnjährigen Flaggschiff-Programms, das mit einem Bugdet von 100 Mio. Euro operiert.

Robert Firmhofer
Direktor des Wissenschaftszentrums Kopernikus in Warschau, empfiehlt drei neue spannende Projekte polnischer Wissenschaftler
Galliumnitrid
Das erste beachtenswerte Projekt ist eine neue Technologie, die von der Firma Ammono entwickelt worden ist. Dieses kleine Unternehmen, das erst dabei ist, sich einen Namen zu machen, hat ein neues Verfahren zur Herstellung der besten, größten und reinsten Galliumnitrid-Kristalle gefunden. Mit dieser Entdeckung platziert sich Ammono ganz oben in der Innovationsrangliste des 21. Jahrhunderts. Das Unternehmen wurde vor zehn Jahren von Doktoranden der Technischen Universität Warschau und der Universität Warschau gegründet. Ähnlich wie Silizium ist auch Galliumnitrid ein Halbleiter, jedoch mit vielen zusätzlichen physikalischen Eigenschaften, wie zum Beispeil seiner Leuchtfähigkeit. Galliumnitrid-Kristalle werden bereits bei der Herstellung von Blu-ray-Lasern eingesetzt und könnten in der Zukunft eine Revolution auf dem Markt der Laserprojektoren auslösen. Die neue Technologie erlaubt eine weitere Miniaturisierung der Geräte bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der hohen Auflösung und der Farbqualität.
Dank der in Polen entwickelten Verfahren dürften die Computer in Zukunft auf unvollstellbar kleine Abmessungen schrumpfen. Solche Miniaturgeräte könnten bei Bedarf an jedem beliebigen Ort, z.B. an jeder Wand, Bilder von hoher Qualität projizieren. Galliumnitrid wird auch zur Produktion von Leuchtdioden und elektrischen Schaltvorrichtungen verwendet.
Durch Galliumnitrid-basierte Halbleiter kann die Leistungsfähigkeit elektrischer Schaltkreise im Umgang mit höheren Spannungen und Fequenzen erhöht werden, was wiederum die Energiebilanz einer Vielzahl von Geräten, darunter von Elektroautos und Hybridfahrzeugen, verbessert. Eines der größten Probleme der E-Autos ist ihre begrenzte Reichweite. Durch ergiebigere Galliumnitrid-Kristalle kann die Batteriekapazität beträchtlich erhöht werden, ohne dass die Batterien selbst größer werden. Das junge Ammono-Forscherteam setzt die besten polnischen Traditionen in der Halbleiterforschung fort – in Anknüpfung an Jan Czochralski, den Erfinder des Verfahrens zum Ziehen von Einkristallen. Das Czochralski-Verfahren wird bis heute zur Herstellung von Silizium-Einkristallen in der industriellen Produktion von Mikroprozessoren eingesetzt..
Kardiochirurgische Roboter
Das zweite wichtige Projekt stellt eine Verbindung von Hochtechnologie und medizinischer Forschung dar. Wissenschaftler der Stiftung für die Entwicklung der Kardiochirurgie (gegründet von dem mittlerweile verstorbenen Dr. Zbigniew Religa) haben eine Serie von Robotern (bekannt unter dem Namen Robin Heart Family) entwickelt, die bei Herzoperationen Anwendung finden. Das Forscherteam arbeitet auch an einem künstlichen Herzen. Die Robin-Heart-Roboter sind chirurgische Präzisionsinstrumente, die in der Kardiochirurgie eingesetzt werden. Das einzige Land, in dem bislang kardiochirurgische Roboter hergestellt werden, sind die USA. Die gegenwärtig in Polen entworfenen Roboter werden eine Weiterentwicklung der diesbezüglichen amerikanischen Technologie sein, und es sind die einzigen Roboter dieser Art, an deren Entwicklung man in Europa arbeitet. Die Roboter verringern den invasiven Charakter von Herzoperationen beträchtlich und reduzieren die mit solchen Operationen verbundenen Risiken für die Patienten. Die Roboter ermöglichen sog. Tele-Operationen, d.h. die Steuerung des Operationsablaufes aus der Distanz. Während so einer Operation wird der OP-Roboter von einem Berater unterstützt, der für die Einspeisung einer intelligenten Datenbank sorgt, die sämtliche den Patienten betreffenden klinischen Angaben enthält.
Der neue polnische Roboter ist noch in der Erprobungsphase und ist bei einer Operation am menschlichen Herzen noch nicht zum Einsatz gekommen. Die weitestgehenden Operationen wurden bisher an Schweinen durchgeführt, darunter eine Operation am offenen Herzen, die im Februar 2011 in Form einer Tele-Operation von zwei räumlich voneinander getrennten Kliniken in Schlesien vorgenommen wurde.
Das Nervensystem von Pflanzen
Das dritte Projekt ist eine Entdeckung des polnischen Biologen Stanisław Karpiński. Nach mehrjähriger Arbeit in Schweden, die ihm durch das Programm "Witamy" der Polnischen Wissenschaftsstiftung ermöglicht wurde, ist Prof. Karpiński vor kurzem nach Polen zurückgekehrt. Sein Team hat entdeckt, dass Pflanzen über ein primitives Nervensystem verfügen. Festgestellt haben sie auch, dass Pflanzen die Fähigkeit und die Mechanismen zum Informationsaustausch über die Art des Lichtes haben, das auf bestimmte Blätter der Pflanzen fällt. Das Team erforschte, in welcher Weise die Pflanzen die Informationen zur Intensität der Sonneneinstrahlung und ihrer Farbe speichern. Danach erfolgt die Kommunikation innerhalb eines Blattes über elektrische Impulse, ähnlich wie im Nervensystem von Tieren, nur mit deutlich geringerer Geschwindigkeit. Dieser hochkomplexe Mechanismus umfasst auch die Verarbeitung von Signalen – angefangen bei der Quanteninformation bis hin zu analogen/elektrophysiologischen Informationen. Die Entdeckung Karpińskis bedeutet, dass wir – wollen wir die Pflanzen vollständig verstehen – nicht nur über biologisches Wissen verfügen müssen, sondern auch den Bereich der Physik und der Mathematik zu berücksichtigen haben. Das erweitert nicht nur unseren Kenntnisstand über das Pflanzenreich, es zeigt uns auch, dass die Pflanzen wesentlich enger mit den Tieren verwandt sind, als das bisher angenommen wurde. In der Art und Weise der Informationsverarbeitung durch Pflanzen gibt es offenbar Analogien zu Quantencomputern.
Wirtschaft

Das DNA-Forschungszentrum in Poznań nutzt die neuesten Technologien zur Krebsfrüherkennung.
Die polnische Industrie setzt in immer stärkerem Maße auf die Qualität ihrer Erzeugnisse, zum Beispiel bei der Herstellung von Yachten auf Bestellung. Polnische Wirtschaft? Womit anfangen? Ein großes kleines Land, ein kleines großes Land?Eine uralte Frage für Polen. Antriebsmotor für Europa oder rückständige Provinz und Reservoir billiger Arbeitskräfte?
Das Land – und seine Wirtschaft – sind von der Geschichte in einer Weise gezeichnet, wie dies kaum ein anderes Land, nicht einmal in Mitteleuropa, erlebt hat. Polen ist in mancherlei Hinsicht ein Produkt der Teilungszeit im 19. Jahrhundert. Der reiche, "deutsche" Westen und Südwesten, mit großen Wirtschafts- und Finanzzentren in Poznań und Szczecin, mit Katowice und den großen schlesischen Produzenten des (bösen, bösen) Steinkohlestroms. Auf der anderen Seite der rückständige Osten, der vergessene Osten mit seiner stereotypen, fast wie im 19. Jahrhundert anmutenden Atmosphäre, mit seinen übervölkerten, zerstörten "kollektivierten" Landwirtschaftsbetrieben, einer Quelle billiger Arbeitskraft für Manchester, Sheffield, Chicago ... Berlin?
Ein Agrarland mit einigen Industriezweigen oder ein Industrieland mit einer großen Landbevölkerung? Ein postindustrielles Land mit einem sich dynamisch entwickelnden Dienstleistungssektor, mit einem hohen technologischen Niveau, ein fortschrittliches Land, bekannt für seine Programmentwürfe, seine bestens geschulten Mathematiker und computergewandten Absolventen? Ja, Polen ist weiterhin ein Land mit einer faszinierenden Inkoheränz. Alle obigen Antworten sind wahr und bleiben zugleich leer ohne bestimmte Vorbehalte und den jeweiligen Kontext. Ein gleichermaßen irritierendes und faszinierendes Land. Ein Land unfreundlicher Verkäufer/innen, mit einer wahrlich byzantinischen Bürokratie, in dem es aber eine Fülle junger, ambitionierter Firmen gibt, Unternehmer, die in einer Spielart des Kapitalismus herangebildet worden sind, die absoluter, ehrgeiziger und intelligenter ist, als viele Außenstehende sich das imstande sind vorzustellen. Viele haben ihr Unternehmen in einer zentralisierten, sich an der Nachfrage orientierenden Wirtschaft aufgebaut und konnten sich dabei auf unternehmerische Fähigkeiten stützen, von denen sich viele Absolventen westlicher Unternehmerschulen das eine oder andere abgucken könnten. Vielleicht nicht gerade das facettenreiche theoretische Wissen (obwohl auch das beträchtlich ist), sondern die praktischen, pragmatischen Mechanismen zur Erledigung bestimmter Angelegenheiten, zur Vermeidung von Problemen, zum Verhandeln mit der Bürokratie. Preise, Konkurrenz, "Markteinführung" – das sind nur einige begriffliche Vorstellungen vom Kapitalismus, die den Polen der 40 Jahre währende Staatssozialismus beigebracht hat!
Nichts ist in diesem Land unmöglich. Das sollte sein Motto sein. Ein Land, das sich am Schnittpunkt vieler Geschäftskulturen entwickelt.
Polen ist heute die sechstgrößte Volkswirtschaft Europas. Im Jahre 2010 war es das einzige Land in der Europäischen Union, das ein wirtschaftliches Wachstum zu verzeichnen hatte. Vor diesem Hintergrund wird der Kreditbedarf des Landes leicht und relativ preiswert von großzügigen Kreditgebern finanziert, die der Regierung eine Erhöhung des Haushaltsdefizits um etwa 7 % des Bruttoinlandsproduktes zubilligen. Seine relative Resistenz gegen den bitteren Wind der globalen Finanzkrise verdankt Polen einer gewissen Rückständigkeit, so z.B. den polnischen Banken, die sich zur großen Valutakredit-Party verspäteten, unter deren Folgen beispielsweise Lettland und Ungarn zu leiden haben. Die Rentenreform, die Modernisierung des Straßen- und Schienennetzes (bis 2012, dem Jahr der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine, werden schnell 2.000 km neue Straßen gebaut) sollten die Grundlage für einen langsamen Reformprozess sein. Das Wachsen der öffentlichen Schulden und das hartnäckig auf hohem Niveau verweilende Haushaltsdefizit müssen genau beobachtet werden, aber hier ist nicht Athen!
Dieses Land mit 38,5 Mio. Einwohnern ist auf dem besten Wege, das Etikett eines „Emerging Markets“ abzustreifen. Viele polnische Fabriken sind Teil der Lieferkette deutscher Unternehmen geworden – dank der hohen polnischen Produktivität und niedriger Löhne. Das Land wird bis 2015 nicht die technischen Voraussetzungen zur baldestmöglichen Einführung des Euro erfüllen, aber das kann helfen. Polen hat eine ausgewogene Wirtschaft und einen gut entwickelten Energiesektor, auch Landwirtschaft, Produktion, Forschung und Technologieentwicklung können sich sehen lassen. Auch die Binnenwirtschaft ist gut entwickelt. Seit 2004, als Polen mit seinem EU-Beitritt Zugang zu den Strukturfonds bekam, hält sich zwar die Arbeitslosigkeit auf einem beängstigend hohen Niveau, dafür ist die Inflation recht gering (ca. 3-3,5 %, was sich in der Nähe der Obergrenze des optimalen Mittelkurses der Polnischen Nationalbank bewegt).
Saubere Energie und Hightech-Produktion sind Bereiche, auf deren Entwicklung Polen setzen kann, wenn es sich fortentwickelt von alten Modellen einer postindustriellen Wirtschaft mit diversen Dienstleistungen und Hochtechnologielösungen. Die polnischen Schiefergasvorkommen werden beispielsweise auf 1,5 bis 3 Milliarden Kubikmeter geschätzt. Schon ein Schiefergasvorkommen von 1,5 Mrd. Kubikmetern würde den Gasbedarf Polens für ca. 200 Jahre decken. Die Förderung von Schiefergas könnte – so Experten – innerhalb der nächsten 5-10 Jahre rentabel werden. Ein anderer interessanter Bereich, der zeigt, dass potentiell gefährdete Industriebranchen sich selbst neu definieren können, ist der Markt für Luxusyachten. Die polnische Yacht-Branche erlebt zurzeit einen außerordentlichen Boom und kann zu einem europäischen Zentrum des Yachtbaus avancieren – mit Hochqualitätsprodukten und niedrigen Preisen. Der polnische Yachtbausektor hat seine Umsätze in den letzten fünf Jahren auf das Fünffache steigern können. Im Jahre 2010 wurden Yachten im Wert von fast 500 Mio. Dollar verkauft, was für Polen immerhin rund 5 % Anteil am Weltmarkt ergibt, der heute auf ca. 11,5 Mrd. Dollar veranschlagt wird. Insgesamt werden ca. 95 % aller in Polen hergestellten Luxusyachten ins Ausland verkauft, und ca. 90 % der ins Ausland verkauften Yachten gehen an Kunden in der Europäischen Union und in den USA. Italien, weltgrößter Hersteller von Luxusyachten, exportiert 65 % seiner Gesamtproduktion.

Krzysztof Olszewski
Gründer und langjähriger Aufsichtsratsvorsitzender der Solaris Bus & Coach S.A., Hersteller von Stadt- und Überlandbussen, Reisebussen, Trolleybussen, Spezialbussen und Straßenbahnen.
Mit Solaris-Bussen fahren Menschen in den Städten ganz Europas zur Arbeit – von Athen bis Warschau, von Posen bis München. 60 % der Produktion werden exportiert.
Polen ist das Land, in dem ich am liebsten arbeite – wegen der großen Möglichkeiten, die es bietet. Hier kann man sich in vielen Bereichen entfalten: Kunst, Sport oder Wirtschaft.
Die Börse
Marx dreht sich im Grabe um: Der Sitz der Warschauer Wertpapierbörse wurde genau neben der ehemaligen Machtzentrale der kommunistischen Partei errichtet.
Anders als oft angenommen, kann Polen auf eine lange Geschichte von Kapitalfonds und auch derivativer Finanzinstrumente zurückblicken. Die erste Warschauer Börse wurde bereits 1817 eröffnet. Die moderne Warschauer Wertpapierbörse (GPW) nahm ihre Tätigkeit in ihrer jetzigen Form im Jahre 1991 auf und ist gegenwärtig die größte Börse in Mittel- und Osteuropa. Der Marktwert der an der Warschauer Börse notierten polnischen Unternehmen beläuft sich auf ca. 120 Mrd. Euro. Die vergleichbare Größe an der Wiener Börse, dem nächsten Konkurrenten in der Region, liegt bei 73 Mrd. Euro. Das Transaktionsvolumen lag mit 25 Mrd. Euro ebenfalls höher als auf konkurrierenden Börsenplätzen (jeweils 20,7 Mrd. Euro in Wien und Athen). Schauen wir jedoch nach Westen, bleibt noch viel zu tun. So betrug der Marktwert der an der Zürcher Börse notierten Inlandsunternehmen 802,6 Mrd. Euro und der entsprechende Wert in Frankfurt am Main 903,2 Mrd. Euro. Das Transaktionsvolumen erreichte 70 % im Jahre 2010, als die Regierung einige große Unternehmen privatisierte (im Mai die Versicherungsgesellschaft PZU für 2,5 Mrd. Dollar im ersten öffentlichen Angebot) und im Juni auch das Mehrhheitsaktienpaket im Energiekonzern Tauron verkaufte (Wert: 1,3 Mrd. Dollar im ersten öffentlichen Angebot) und sich damit dem in ganz Europa dominierenden Trend entgegenstellte. Diese zwei Offerten gehörten im zweiten Quartal 2010 zu den fünf umfangreichsten in ganz Europa. Die GPW belegte auch einen Spitzenplatz in Bezug auf den Gesamtwert des ersten öffentlichen Angebots. Sieben Unternehmen vereinten im zweiten Quartal auf dem regulierten Markt insgesamt 3,1 Mrd. Euro auf sich. Die Regierung suchte auch seit einiger Zeit einen Käufer für die GPW, nach einigen missglückten Übernahmeprojekten, so u.a. von Seiten der Deutsche Börse in Frankfurt am Main, gibt es weiterhin keinen Käufer. Im Jahre 2009 hatte die GPW vier internationalen Gesellschaften eine Offerte zum Kauf der Börse unterbreitet: London Stock Exchange, Deutsche Börse, Nasdaq OMX und NYSE Euronext. Die Bestrebungen scheiterten in den letzten Wochen des Jahres 2009 an den unzureichenden Antworten auf die Offerte. Im November 2010 bot die Regierung 63 % der Aktien in einem öffentlichen Angebot an. Der Aktienverkauf an der GPW ist ein Filetstück in den Privatisierungsbestrebungen Polens, die insgesamt 25 Mrd. Zloty (6,36 Mrd. Euro) Gewinn einbringen sollen, mit denen dann das in diesem Jahr um 7 % erhöhte öffentliche Defizit verringert werden soll, das ja mehr als zweimal so hoch ist wie die EU-Vorgaben von 3 %.
Die GPW ist eine Aktiengesellschaft, gebildet vom polnischen Fiskus und 38 verschiedenen Aktionären. Die Aktionäre sind eine Mischung aus Maklerhäusern, Banken, dem Fiskus und börsennotierten Unternehmen. Zu den wichtigsten in Warschau tätigen Wirtschaftsorganisationen zählen die EU, die WTO und die OECD. Zurzeit sind an der GPW 274 Unternehmen notiert. Dazu gehören u.a.: Netia, Grupa TP, Grupa LOTOS, KGHM Polska Miedź S.A. und die Bank Pekao S.A.








