Es verschwinden die Manuskripte aus den europäischen Bibliotheken. Mit ihnen geht auch die Erinnerung an die Autoren und ihre Werke verloren.
Stanisław Lem hat mehrmals die Meinung geäußert, dass es auf der Welt zu viele Bücher gäbe, so dass wir im Überfluss des bedruckten Papiers das wirklich Wesentliche nicht sehen. In seinem Buch „Imaginäre Größe“ schreibt er: Die Stimmen von Millionen von Shakeaspeares gleichen dem Trubel und wilden Radau, den eine Büffelherde in der Steppe oder große Meereswellen verursachen.
Und dann plötzlich an einem Tag beginnt das Rauschen des Papiermeeres leiser zu werden. Bücher werden immer weniger, jemand klaut sie. Dieser jemand macht das so geschickt, dass alle Exemplare eines bestimmten Werkes für immer aus Bücherläden, Antiquariaten und Bibliotheken verschwinden, und aus der Erinnerung der Leser verschwindet auch jegliche Spur.
Werke von Shakespeare, Borges, Kafka, Verne, Miłosz und Lem (dem es sicherlich nicht um diese Art von Lösung des Literaturüberflusses ging) werden zur Beute des listigen Diebes. Unterdessen ist sich die Menschheit nicht darüber bewusst, dass sie systematisch um die wertvollsten Schätze beraubt wird. Ein perfektes Verbrechen. Nahezu perfekt.
Autoren:
PRZEMYSŁAW TRUŚCIŃSKI– geboren 1970, einer der bekanntesten polnischen
Comic-Autoren und unermüdlicher Befürworter dieser Kunstform. Unter anderem Schirmherr des Comic-Wettbewerbs des Museums des Warschauer Aufstandes.
GRZEGORZ JANUSZ– geboren 1970, Debüt als Autor 1991, Autor vieler Erzählungen und Drehbücher (hauptsächlich Comics), auch eines Romans, großer Bücherliebhaber.
Vorwort
Der Comic ist eine Einladung zu einer Reise durch die Kulturen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Er ist kein Kommentar zu den aktuellen politischen Ereignissen. Die polnische EU-Ratspräsidentschaft stellt nur den Hintergrund dervorgestellten Ereignissen dar.
Es verschwinden die Manuskripte aus den europäischen Bibliotheken. Mit ihnen geht auch die Erinnerung an die Autoren und ihre Werke verloren. Das kulturelle Erbe der europäischen Kultur ist gefährdet. In Wrocław tagt der Europäische Kulturkongress, um das Geheimnis eines Diebstahls zu lösen. Aus demselben Grund wird ein informeller Ministerrat für Kultur der Mitgliedstaaten einberufen.
Die beiden Events wurden tatsächlich im Rahmen der polnischen EU-Ratspräsidentschaft ausgetragen. Die bedeutendsten Vertreter der Kultur sind der Einladung von Prof. Zygmunt Bauman nach Polen gefolgt, um unter anderem über das Verhältnis zwischen der Massen- und der Elite-Kultur zu diskutieren. Der Präsidentschafts-Comic ist eine Stimme der Pop-Kultur in dieser Debatte. Es werden allerdingsauchmehrere Bezüge auf die polnische Präsidentschaft genommen.
Die für das europäische Erbe wesentlichen Objekte stellen das Bühnenbild dar. Neben den Hauptthemen der Erzählung finden wir ebenfalls Bezüge auf die Prioritäten der polnischen Präsidentschaft.
Unsere Absicht war es, die Einheit der europäischen Herausforderungen zu zeigen in Anlehnung an den Spruch, der zum Motto der Europäischen Union geworden ist und in der Präambel des Vertrags von Lissabon verankert wurde. Erlautet: „In Vielfalt geeint“.
In der Vergangenheit waren es die polnische Plakatschule und die hiesige Filmkunst, die Polen in dem sich vereinigenden Europa förderte. Heute ist es die polnische Schule der Zeichnung und Animation.
Ich lade Sie zu einer faszinierenden Lektüre dieses Comics ein.
Mikołaj Dowgielewicz
Staatssekretär für europäische Angelegenheiten
Außenministerium